Agentic ERP: Wenn KI-Agenten Geschäftsprozesse aktiv steuern
ERP-Systeme gelten als Schaltzentrale für Unternehmensdaten: Sie speichern Stammdaten, buchen Geschäftsvorfälle, dokumentieren Abläufe und geben Prozessen Struktur. Mit Agentic ERP verändert sich diese Rolle. Das ERP wartet nicht mehr auf Eingaben: Es erkennt Aufgaben, bewertet Prozesssituationen, schlägt nächste Schritte vor und stößt Aktionen autonom an.
Das erwartet Sie in diesem Beitrag:
- Was ist Agentic ERP?
- Wie unterscheidet sich Agentic AI von klassischer Automatisierung und künstlicher Intelligenz?
- Welche Use-Cases eignen sich für Agentic ERP?
- Welche KI-Agenten bietet Business Central bereits?
- Eigene KI-Agenten für Business Central: Copilot Studio und MCP
- Agentenzentrale in Business Central: Kontrolle statt Blackbox
- Die Kosten von Agentic ERP: Wie rechnet Microsoft KI-Agenten in Business Central ab?
- Agentic ERP mit Business Central: pragmatisch starten
Was ist Agentic ERP?
Klassische ERP-Systeme speichern Daten und führen Buchungen aus. Dabei automatisieren Workflows bestimmte Abläufe. Ein Agentic ERP (auch Agentic AI ERP) geht weiter: Hier erledigen KI-Agenten operative Aufgaben. Sie verbinden Daten aus verschiedenen Bereichen und unterstützen Mitarbeitende dort, wo heute noch viele manuelle Prüfungen, Rückfragen und Abstimmungen Zeit kosten.
Ein Beispiel aus dem Vertrieb macht den Unterschied deutlich: Ein Kunde schreibt per E-Mail: „Bitte liefern Sie mir wie beim letzten Mal 20 Kartons von Artikel XY.“ Ein klassisches ERP wartet darauf, dass Mitarbeitende die Nachricht lesen, den Kunden im System suchen, den Artikel prüfen, die Verfügbarkeit kontrollieren und dann ein Angebot erstellen. Ein KI-Agent bereitet diese Schritte autonom vor: Er erkennt den Kunden, sucht die passenden Artikel heraus, prüft den Lagerbestand, erstellt einen Angebotsentwurf und legt dann das Angebot zur Prüfung vor.
Der Mensch bleibt verantwortlich. Der Agent nimmt ihm aber die operative Kleinteiligkeit ab.
Wie unterscheidet sich Agentic AI von klassischer Automatisierung und künstlicher Intelligenz?
Agentic AI bezeichnet KI-Systeme, die nicht nur Inhalte erzeugen oder Daten analysieren, sondern Aufgaben aktiv verfolgen. Dafür planen sie Zwischenschritte, nutzen Werkzeuge, greifen auf Systeme zu und stoßen Aktionen an. Damit unterscheidet sich Agentic AI deutlich von klassischer Automatisierung und klassischer KI.
Klassische Automatisierung: Wenn-dann-Logik
Klassische Automatisierungen arbeiten nach festen Regeln. Ein Beispiel: Wenn eine Rechnung über 1.000 Euro liegt, dann leitet das ERP sie an eine zweite Freigabestufe weiter. Diese Wenn-dann-Logik hilft bei stabilen, wiederkehrenden Abläufen. Allerdings reagiert sie nicht flexibel auf neue Situationen oder unerwartete Gegebenheiten.
Klassische KI: Analysen und Empfehlungen
Klassische KI erkennt Muster, erstellt Prognosen oder formuliert Texte. So kann sie etwa anzeigen, dass ein Lieferant häufig zu spät liefert. Oder dass ein Kunde mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut bestellt. Die Handlungsentscheidungen und die nächsten Schritte – beispielsweise den Lieferanten zu wechseln – bleiben aber beim Menschen.
Agentic AI im ERP: Ziel, Kontext und Aktion
Agentic AI verbindet Analyse mit Handlung. KI-Agenten erkennen ein Problem, und arbeiten dann auf ein Ziel hin. So können KI-Agenten etwa Lieferengpässe bewerten. Sie prüfen Alternativen, simulieren Auswirkungen und schlagen anschließend eine konkrete Maßnahme vor. Dabei agiert Agentic AI innerhalb fest gelegter Grenzen: Je nach Governance dürfen sie operative Schritte auch selbst ausführen. Das macht Agentic AI im ERP-Umfeld so spannend. Denn ERP-Systeme enthalten viele relevante Daten, klare Prozesslogiken und wiederkehrende Aufgaben. Genau dort können Agenten Nutzen stiften.
Agentic ERP ersetzt kein ERP: Es erweitert das „System of Record“
Ein Missverständnis begleitet die Diskussion um Agentic ERP häufig: KI-Agenten lösen das ERP nicht ab. Vielmehr brauchen sie es. Das ERP bleibt das „System of Records“ (SoR): Als datenführendes System enthält es alle Informationen rund um Kunden, Artikel, Preise, Lagerbestände, Rechnungen, Bestellungen, Konten und Buchungen. Es regelt Berechtigungen, Validierungen und Geschäftslogiken. Ohne diese stabile Daten- und Prozessgrundlage kann kein KI-Agent verlässlich handeln.
Agentic ERP ergänzt diese Basis um eine neue Handlungsebene: ein „System of Action“. Diese Ebene nutzt ERP-Daten nicht nur für Auswertungen, sondern bringt Arbeit in Bewegung. Sie übersetzt Informationen in Aufgaben, Empfehlungen und Aktionen. Der eigentliche Fortschritt liegt also nicht darin, dass KI „irgendwo“ im Unternehmen auftaucht. Der Fortschritt entsteht, wenn KI-Agenten direkt mit den relevanten Geschäftsprozessen verbunden sind.
Das führt zu der Frage: In welchen Anwendungsfällen sollte das „System of Action“ zum Einsatz kommen?
Welche Use-Cases eignen sich für Agentic ERP?
Im ERP eignet sich Agentic AI besonders für Prozesse, die regelmäßig auftreten, viele Informationen umfassen, klare Ziele verfolgen und gegebenenfalls Spielraum für Entscheidungen lassen. Wer mit handlungsfähigen KI-Agenten erfolgreich sein möchte, sollte nicht mit spektakulären Demo-Szenarien starten. Operative Engpässe mit einer sauberen Datengrundlage sind zu Beginn geeigneter.
1. Vertrieb und Auftragserfassung
Viele Unternehmen erhalten Bestellungen per E-Mail, PDF oder Freitext. Mitarbeitende lesen die Anfragen, prüfen die Kundendaten, suchen Artikel, kontrollieren Preise und erstellen dann ein Angebot oder einen Auftrag. Ein KI-Agent kann diese Schritte vorbereiten. Gibt es Unklarheiten, zieht er die Fachabteilung heran.
Sinnvolle Aufgaben: Kundenanfragen lesen, Artikel identifizieren, Verfügbarkeiten prüfen, Angebotsentwürfe erstellen, fehlende Angaben nachfragen, Folge-E-Mails vorbereiten.
Lese-Tipp: Mit dem Belegassistenten bietet B.i.Team eine KI-gestützte Bestell- und Auftragserfassung an. In unserem Magazin-Beitrag lernen Sie die das KI-Tool am Beispiel des Fruchtgroßhandels kennen. Die Zusatz-Applikation funktioniert aber für jede Branche.
2. Eingangsrechnungen und Kreditorenbuchhaltung
Die Kreditorenbuchhaltung eignet sich besonders gut für agentische Unterstützung. Denn Rechnungen kommen über verschiedene Kanäle an, enthalten unterschiedliche Formate und benötigen Prüfungen gegen Lieferanten, Bestellungen, Sachkonten oder Kostenstellen.
Sinnvolle Aufgaben: Rechnungseingang kontrollieren, Rechnungsdaten extrahieren, Lieferanten erkennen, Rechnungsentwürfe vorbereiten, Abweichungen markieren, Freigaben anstoßen.
3. Einkauf und Lieferketten
Agentic ERP kann Engpässe früher sichtbar machen und operative Maßnahmen vorbereiten. Wenn ein Lieferant verspätet liefert, prüft der Agent Alternativen, bewertet Auswirkungen auf Bestand und Produktion und informiert die zuständigen Personen.
Sinnvolle Aufgaben: Lieferantenperformance analysieren, Alternativlieferanten vorschlagen, Bestände prüfen, Nachbestellungen vorbereiten, Eskalationen anstoßen.
4. Lager und Logistik
Im Lager fallen täglich zahlreiche Entscheidungen: Was muss zuerst kommissioniert werden? Wo droht ein Engpass? Welche Lieferung hat Priorität? Ein Agent kann operative Signale bündeln und Mitarbeitende gezielt unterstützen.
Sinnvolle Aufgaben: Prioritäten für Kommissionierung vorschlagen, Rückstände erkennen, Umlagerungen vorbereiten, kritische Bestände melden.
Lese-Tipp: Sie arbeiten im Fruchtgroßhandel und möchten Ihre Wareneingangskontrolle optimieren? Mit unserer App nutzen Sie KI für Ihre Qualitätsprüfung im Fruchthandel und synchronisieren alle Informationen mit Freshfin.
5. Finance und Controlling
Im Finanzbereich hilft ein Agentic ERP vor allem bei Prüfungen, Abweichungen und wiederkehrenden Analysen. Sie können auffällige Buchungen markieren, Reports vorbereiten und Verantwortliche frühzeitig informieren.
Sinnvolle Aufgaben: Anomalien erkennen, Budgetabweichungen bewerten, Monatsabschluss vorbereiten, offene Posten priorisieren, Rückfragen bündeln.
6. Service und Kundenkommunikation
KI-Agenten können Servicefälle mit ERP-Daten verbinden. Sie sehen etwa Aufträge, Lieferstatus, Rechnungen oder Reklamationen und bereiten Antworten vor.
Sinnvolle Aufgaben: Kundenanfragen einordnen, Statusinformationen abrufen, Antwortvorschläge erstellen, interne Folgeaufgaben anlegen.
Wo Agentic AI im ERP nicht passt
Agentic AI eignet sich nicht für jede Entscheidung. Strategische Grundsatzfragen, rechtlich kritische Einzelfälle oder Entscheidungen ohne belastbare Datenbasis gehören weiterhin klar in menschliche Verantwortung. Ein Agent kann bei einer Markteintrittsentscheidung Informationen sammeln und Szenarien strukturieren. Er sollte aber nicht über den Markteintritt entscheiden. Ein Agent kann eine ungewöhnliche Rechnung markieren. Er sollte aber keine heikle Compliance-Frage allein abschließend bewerten.
Die beste Leitlinie für Agentic ERP lautet: Autonomie ist dort erlaubt, wo Prozesse klar, Daten belastbar und Folgen begrenzt kontrollierbar bleiben. Menschliche Freigabe braucht es stets, wo Risiko, Verantwortung oder Interpretationsspielraum steigen.
Welche KI-Agenten bietet Business Central bereits?
Microsoft bringt Agentic ERP Schritt für Schritt direkt in Dynamics 365 Business Central. Die ersten KI-Agenten stehen schon heute für ihren Einsatz bereit:
1. Sales Order Agent: vom E-Mail-Eingang zum Angebots- oder Auftragsentwurf
Der Sales Order Agent unterstützt die Erfassung von Kundenanfragen und Verkaufsaufträgen. Er überwacht eine definierte Mailbox, erkennt Anfragen zu Artikeln, ordnet Kunden zu, prüft Verfügbarkeiten und bereitet Angebote oder Verkaufsaufträge vor.
Bei fehlenden Informationen kann der Agent Rückfragen formulieren. Vor dem Versand von Nachrichten oder der finalen Verarbeitung bleibt der Mensch eingebunden. So entsteht ein sinnvoller Mittelweg: Der Agent übernimmt Recherche, Strukturierung und Vorbereitung. Mitarbeitende prüfen, ergänzen und geben frei.
2. Payables Agent: Eingangsrechnungen schneller vorbereiten
Der Payables Agent adressiert die Kreditorenbuchhaltung in Business Central. Dafür überwacht der KI-Agent den Posteingang, liest eingehende Lieferantenrechnungen, extrahiert Rechnungsinformationen und erstellt Entwürfe für Eingangsrechnungen.
Dabei prüft der Agent unter anderem, ob er den passenden Lieferanten in Business Central findet. Bei Unsicherheiten zieht er den zuständigen Agent Supervisor hinzu. Der Fachbereich kontrolliert die Vorschläge, korrigiert bei Bedarf und bringt den Prozess weiter.
Gerade Unternehmen mit hohem Rechnungseingang profitieren von diesem Muster: Der Agent reduziert manuelle Vorarbeit und schafft mehr Tempo im Rechnungsprozess.
3. Expense Agent: Spesen und Reisekosten im Blick
Microsoft erweitert Business Central außerdem um Funktionen rund um den Expense Agent. Der Fokus liegt auf Spesen, Belegen, Reisekostenanträgen und Freigaben. Damit rückt ein weiterer typischer Verwaltungsprozess in den Bereich agentischer Unterstützung.
Für Unternehmen bedeutet das: Agentic ERP beschränkt sich nicht auf Vertrieb oder Buchhaltung. Die Technologie wächst in verschiedene operative Bereiche hinein.
Eigene KI-Agenten für Business Central: Copilot Studio und MCP
Neben den integrierten Agenten können Unternehmen auch eigene KI-Agenten rund um Business Central entwickeln. Das gelingt beispielsweise über das Copilot Studio sowie über MCP-Server.
Mit Copilot Studio lassen sich eigene Agenten für konkrete Aufgaben erstellen – zum Beispiel für interne Abfragen, Serviceprozesse, Freigaben oder Assistenzfunktionen im Fachbereich. Diese KI-Agenten können Business-Central-Daten nutzen und über Konnektoren mit dem ERP-System interagieren.
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Jetzt buchenDer Business Central MCP Server geht einen Schritt näher an agentische Szenarien heran. MCP steht für Model Context Protocol. Vereinfacht gesagt schafft MCP eine standardisierte Verbindung zwischen KI-Agenten und Business-Central-Daten. So können Agenten auf Entitäten wie Kunden, Artikel oder Verkaufsaufträge zugreifen und diese Informationen in ihre Aufgaben einbeziehen.
Wichtig bleibt dabei die Kontrolle des Agentic ERP: Unternehmen entscheiden, welche Daten und Aktionen sie freigeben. Standardmäßig arbeiten solche Zugriffe sehr restriktiv. Schreibende Aktionen wie Anlegen, Ändern oder Löschen brauchen klare Freigaben. Genau diese Leitplanken machen eigene Agenten im ERP-Umfeld erst praxistauglich.
Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen nicht sofort einen großen, autonomen ERP-Agenten bauen. Oft reicht ein klar abgegrenzter Einstieg – etwa ein Agent, der Informationen aus Business Central beantwortet, Aufgaben vorbereitet oder Fachbereiche bei wiederkehrenden Rückfragen entlastet.
Agentenzentrale in Business Central: Kontrolle statt Blackbox
Je mehr Agenten im ERP arbeiten, desto wichtiger ist Transparenz. Mitarbeitende müssen sehen, welche Aufgaben ein Agent bearbeitet, wo die künstliche Intelligenz Unterstützung braucht und welche Vorschläge zur Prüfung anstehen.
Business Central bündelt diese Aufgaben in einem eigenen Aufgabenbereich für Agenten. Dieser Bereich funktioniert wie eine Agentenzentrale: Er sammelt agentengenerierte Aufgaben, zeigt Status und Verlauf an und führt Nutzer direkt zum betroffenen Datensatz. Das löst ein praktisches Problem. Ohne zentrale Übersicht verteilen sich Hinweise über verschiedene Seiten, Benachrichtigungen oder E-Mails. Mit der Agentenzentrale behalten Fachbereiche den Überblick: Welche Aufgabe braucht Aufmerksamkeit? Welcher Agent hat etwas vorgeschlagen? Wo muss jemand bestätigen, korrigieren oder ablehnen?
Agentic ERP braucht genau diese Transparenz. Denn Vertrauen entsteht nicht durch Automatisierung allein. Vertrauen entsteht, wenn Nutzer nachvollziehen können, was der Agent tut und warum er es tut.
Die Kosten von Agentic ERP: Wie rechnet Microsoft KI-Agenten in Business Central ab?
Agentic ERP bringt nicht nur neue Funktionen, sondern auch ein neues Kostenmodell. Microsoft rechnet ausgewählte Agentenfunktionen in Business Central verbrauchsabhängig über Copilot Credits ab.
Copilot Credits sind die Verbrauchseinheiten für KI-Interaktionen und Agentenaufgaben. Ein Agent verbraucht Credits, wenn er Informationen abruft, Inhalte analysiert, Antworten erzeugt oder Aktionen im Prozess ausführt. Wie viele Credits anfallen, hängt vom Agenten, vom Prozessdesign und von der Nutzungshäufigkeit ab.
Microsoft unterscheidet dabei zwei Arten von abrechenbaren Ereignissen: generative Antworten und Agentenaktionen. Eine generative Antwort entsteht zum Beispiel, wenn der Agent eine E-Mail analysiert oder eine Antwort formuliert. Eine Agentenaktion entsteht, wenn der Agent einen konkreten Prozessschritt ausführt, etwa eine Verfügbarkeit prüft oder einen Belegentwurf erstellt.
Wir unterstützen Sie bei der Einrichtung der notwendigen Azure-Subscription, damit Sie Credits kaufen können.
Jetzt Beratung anfragenBeispiel: Sales Order Agent
Der Sales Order Agent verarbeitet Kundenanfragen aus einer gemeinsamen Mailbox. Er analysiert die E-Mail, prüft Artikelverfügbarkeit, erstellt oder aktualisiert ein Angebot oder einen Auftrag und erzeugt eine Antwort an den Kunden.
Ein typischer Ablauf im Agentic ERP kann so aussehen:
- E-Mail analysieren: 2 Copilot Credits
- Artikelverfügbarkeit prüfen: 5 Copilot Credits
- Angebot oder Auftrag erstellen beziehungsweise aktualisieren: 5 Copilot Credits
- Antwort-E-Mail erzeugen: 2 Copilot Credits
Damit entstehen für einen Standardvorgang ohne verwertbaren Verkaufsanhang 14 Copilot Credits. Enthält jede zweite Anfrage zusätzlich einen unterstützten Anhang mit verwertbaren Verkaufsdaten, kommen im Durchschnitt weitere 2,5 Credits je Vorgang hinzu. Bei 100 Anfragen pro Monat ergibt das beispielhaft 1.650 Copilot Credits.
Beispiel: Payables Agent
Der Payables Agent verarbeitet Lieferantenrechnungen aus einer gemeinsamen Mailbox. Er importiert PDF-Rechnungen, extrahiert Informationen und erstellt daraus einen Einkaufsbelegentwurf zur Prüfung.
- Rechnung verarbeiten und Belegentwurf erstellen: 50 Copilot Credits
- Rechnungszeilen interpretieren und zuordnen: 5 Copilot Credits je Zeile
Bei 100 Rechnungen pro Monat mit durchschnittlich drei Rechnungszeilen ergibt das beispielhaft 6.500 Copilot Credits.
Wichtig: E-Mails ohne gültigen Rechnungsanhang verursachen in diesem Szenario keine Kosten.
Prepaid oder Pay-as-you-go: zwei Wege zur Abrechnung für Agentic ERP
Bei der Abrechnung für Agentic ERP unterstützt Business Central zwei Modelle: Prepaid und Pay-as-you-go.
Bei Prepaid kaufen Unternehmen Copilot-Credits im Voraus. Diese stehen dann dem Tenant beziehungsweise den verbundenen Power-Platform-Umgebungen zur Verfügung. Business-Central-Umgebungen können die Credits nutzen, sofern die Umgebung entsprechend eingerichtet ist.
Beim Pay-as-you-go-Modell rechnet Microsoft den tatsächlichen Verbrauch über eine Azure-Abrechnung ab. Unternehmen zahlen also für die Agentennutzung, die im jeweiligen Zeitraum anfällt.
Beide Modelle können parallel existieren. Wenn Prepaid-Guthaben vorhanden ist, nutzt Business Central dieses zuerst. Erst danach greift das Pay-as-you-go-Modell.
Für die Praxis heißt das: Unternehmen sollten vor dem produktiven Start klären, welches Modell passt. Wer planbare Nutzung erwartet, kann mit Prepaid-Guthaben arbeiten. Wer zunächst testen oder schwankende Nutzung abdecken möchte, fährt mit Pay-as-you-go oft besser.
Kosten im Blick behalten: Agenten brauchen Steuerung
Das Kostenmodell macht deutlich: Agenten verursachen nicht einfach pauschale Lizenzkosten, sondern verbrauchsabhängige Aufwände. Deshalb sollten Unternehmen Agentic ERP nicht nur fachlich, sondern auch wirtschaftlich steuern.
Drei Fragen helfen beim Einstieg:
- Welche Aufgabe übernimmt der Agent konkret?
- Wie oft läuft dieser Prozess pro Monat?
- Welche Zeit-, Qualitäts- oder Prozessvorteile entstehen dadurch?
Erst diese Verbindung zeigt, ob sich ein Agent rechnet. Ein Sales Order Agent kann zum Beispiel viele manuelle Schritte in der Auftragserfassung reduzieren. Ein Payables Agent kann die Kreditorenbuchhaltung entlasten. Entscheidend bleibt aber immer der konkrete Prozess: Volumen, Datenqualität, Prüfaufwand und Fehlerquote bestimmen den Nutzen.
Business Central und Power Platform bieten dafür Verwaltungs- und Auswertungsmöglichkeiten. Unternehmen können Kapazität und Verbrauch überwachen, Budgets im Blick behalten und rechtzeitig reagieren, wenn Credits knapp werden.
Agentic ERP mit Business Central: pragmatisch starten
Agentic ERP braucht keinen großen Knall. Der beste Einstieg beginnt dort, wo Teams heute viel Zeit verlieren: bei wiederkehrenden Aufgaben, manuellen Prüfungen und Prozessen, die Business Central bereits gut abbildet.
Ein geeigneter Startpunkt erfüllt fünf Kriterien:
- Der Prozess verursacht spürbaren manuellen Aufwand.
- Die relevanten Daten liegen überwiegend in Business Central.
- Die Aufgabe folgt einer klaren Logik.
- Mitarbeitende können Vorschläge schnell prüfen.
- Der Nutzen lässt sich konkret messen.
Deshalb eignen sich Vertrieb, Eingangsrechnungen, Spesen, Serviceanfragen oder interne Informationsabfragen besonders gut für erste Agentenprojekte. Unternehmen starten überschaubar, sammeln Erfahrungen und erweitern erfolgreiche Szenarien Schritt für Schritt.
So wird Agentic ERP nicht zur technischen Spielerei, sondern zur konkreten Entlastung im Tagesgeschäft. Business Central bleibt die stabile Prozess- und Datenbasis. KI-Agenten übernehmen wiederkehrende Arbeitsschritte, bereiten Informationen auf und machen nächste Schritte schneller sichtbar.
Die Verantwortung verschwindet dadurch nicht aus dem Prozess. Sie verlagert sich stärker auf Prüfung, Bewertung und Freigabe. Genau darin liegt der eigentliche Mehrwert: Mitarbeitende verbringen weniger Zeit mit manueller Vorarbeit und mehr Zeit mit Entscheidungen, die Erfahrung, Kontext und Fachwissen brauchen.
Bereit für den Einstieg in Agentic ERP?
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Agentic-ERP-Potenzial prüfenIhre Ansprechpartnerin für Agentic ERP in Business Central
Galina Kaminski
Inside Sales & Partner Managerin
Galina Kaminski ist seit 2019 Teil von B.i.Team und Ihre zentrale Ansprechpartnerin für den Bereich Data & AI. Gemeinsam mit unserem Operations-Team unterstützt sie Unternehmen bei der Umsetzung von Data-Analytics-Projekten, der Einführung intelligenter Automatisierungslösungen – unter anderem auf Basis der Microsoft Power Platform – sowie bei strategischen Fragestellungen rund um Künstliche Intelligenz. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf die digitalen Herausforderungen in mittelständischen Unternehmen im Groß- und Versandhandel, im Fruchtgroßhandel sowie in der Fertigungsindustrie.