Neue Anlagenbuchhaltung in SAP EHP7

Das Enhancement Package 7 (EHP7) bringt zwei wesentliche Neuerungen im Bereich der Anlagenbuchhaltung mit sich.

Mit der Business Function FIN_AA_PARALLEL_VAL wird die parallele Rechnungslegung jetzt wesentlich besser unterstützt. Diese baut auf der neuen Hauptbuchhaltung in SAP ERP inklusive Ledgerlösung auf. Eine Rechnungslegung nach IFRS, US-GAAP, HGB und Steuerrecht wurde bisher von der Anlagenbuchhaltung mittels verschiedener Bewertungsbereiche unterstützt. Diese Bewertungsbereiche konnten im neuen Hauptbuch sowohl mit der Konten- als auch mit der Ledgerlösung integriert werden. Unschön in diesem Kontext war die Notwendigkeit sogenannte Delta-Bewertungsbereiche zu führen.

Mit der Business Function werden folgende Verbesserungen realisiert:

  • Echtzeitbuchungen in allen Bewertungen
  • Flexibilisierung der führenden Bewertung
  • parallele Belege je Bewertung, die von Anfang an die korrekten Werte buchen
  • Abschaffung der Delta-Bereiche für die parallele Bewertung
  • Vereinfachung des Bewertungsplans (keine Delta-Bereiche)
  • Entkopplung des Bereiches 01 an das führende Ledger im Hauptbuch
  • bewertungsspezifische Buchungen durch Einschränkung auf Ledger-Gruppe bzw. Bewertungsbereich (also echte ledgergruppenspezifische Buchungen); die Einschränkung (Eingrenzung) von Bewegungsarten auf Bewertungsbereiche entfällt
  • unterschiedliche Geschäftsjahresvarianten je Bewertung möglich (Einschränkung: Anfangs- und Enddatum der Geschäftsjahresvariante müssen übereinstimmen)
  • einfache Zuordnung von unterschiedlichen Konten je Bewertung innerhalb einer Anlagenklasse
  • vereinfachte Handhabung beim Führen von Wirtschaftsgütern, die nach einer Rechnungslegungsvorschrift zu aktivieren sind, jedoch nach einer anderen als Aufwand zu buchen sind

Dies vereinfacht die Definition der Bewertungsbereiche in der Anlagenbuchhaltung und führt zu nachvollziehbareren Buchungen in der Anlagenbuchhaltung in Echtzeit. Es werden dazu je Bewertungsbereich separate Belege gebucht.

Für wen ist die neue Anlagenbuchhaltung (FIN_AA_PARALLEL_VAL) interessant und nutzbar?

Grundsätzlich sollte die neue Anlagenbuchhaltung bei Neueinführung der Anlagenbuchhaltung immer aktiviert werden. Darüber hinaus wird sie in folgenden Fällen zwingend notwendig:

  • Sie wollen die Business Function FI-GL, Wechsel der führenden Bewertung (z.B. auf IFRS) (FIN_GL_CHNGE_LDG_VAL) nutzen: In diesem Fall ist die Aktivierung der vorliegenden Business Function (FIN_AA_PARALLEL_VAL) zwingend notwendig.
  • Sie nutzen bereits die klassische Anlagenbuchhaltung und wollen Buchungen in allen Bewertungen (für alle Rechnungslegungsvorschriften) in Echtzeit buchen.
  • Sie wollen die Buchungen aller Bewertungen nachvollziehen können, ohne wie bisher, die Buchungen der führenden Bewertung berücksichtigen  zu müssen.

Aktivierung der Business Function

Die Aktivierung der vorliegenden Business Function (FIN_AA_PARALLEL_VAL) erfolgt systemweit. Die Vorbereitung und Aktivierung der Funktionen für die neue Anlagenbuchhaltung erfolgt jedoch pro Mandant im Customizing. Dadurch ist es möglich, dass Sie in einem Mandanten die Ledgerlösung für die neue Anlagenbuchhaltung verwenden und in einem anderen Mandanten die Kontenlösung für die klassische Anlagenbuchhaltung. Wenn Sie die Business Function aktivieren, ändert sich noch nichts an der Funktionsweise der Anlagenbuchhaltung. Allerdings wird im SAP Referenz-IMG unter Finanzwesen (neu) eine eigene IMG-Struktur für die neue Anlagenbuchhaltung eingeblendet.

Mit Hilfe des IMG’s werden Sie durch die notwendigen Umstellphasen geführt.

Vorprüfung


Durchführen Deltacustomizing

Je nach Systemumgebung und genutzten Bewertungsbereichen Währungen etc. werden mehr oder weniger umfangreiche Customizinganpassungen notwendig. Diese sind im IMG ebenfalls unter der Neuen Anlagenbuchhaltung zu finden.


Nach Abschluss des Delta-Customizing werden erneut die Prüfläufe gestartet, wenn diese fehlerfrei durchlaufen steht der Aktivierung nichts mehr im Wege.

Aktivierung neue Anlagenbuchhaltung

Informationen zur Umstellung und zu den Customizing-Einstellungen finden Sie in der Release-Information FIN_AA_PARALLEL_VAL: FI-AA, Parallele Bewertung sowie im Customizing der Anlagenbuchhaltung (neu) unter Neue Anlagenbuchhaltung: Vorbereitung und Aktivierung.

Dabei ist Folgendes dringend zu beachten:

  • Der Customizing-Schalter, mit dem Sie das Customizing für die neue Anlagenbuchhaltung starten, ist nicht reversibel.
  • Sobald sie die Phase ‚In Vorbereitung‘ setzen sind keine Anlagenbuchungen mehr möglich!
  • Wenn Sie im Mandanten die neue Anlagenbuchhaltung einführen, so ersetzt diese die klassische Anlagenbuchhaltung.
  • Ein Weg zur ‚alten‘ Hauptbuchhaltung zurück ist nicht vorgesehen.
  • Die Umstellung erfolgt mandantenweit – es sind also alle Buchungskreise eines Mandanten betroffen.
  • Eine Umstellung zum Geschäftsjahreswechsel erleichtert den Wechsel.

Projektvorgehen erforderlich!

Auf Grund der notwendigen, eventuell umfangreichen Customizing-Anpassungen in der Anlagenbuchhaltung und den Abhängigkeiten zu den laufenden Buchungen, muss die Einführung als Projekt geplant und umgesetzt werden. Zunächst sollte die Umstellung auf einem Sandboxsystem durchgespielt und umfangreiche Tests erfolgen. Erst dann sollten die Aktivitäten in die ‚normale‘ Systemlandschaft übertragen werden. Für die Produktivsetzung ist darauf zu achten, dass während der Umstellung keine Buchungen möglich sind und zu Inkonsistenzen führen würden.